Felsenlandschaft mit blick auf das Meer

Fotografieren im RAW-Format

Fotos im RAW-Format (englisch raw = roh) zu speichern ist inzwischen schon mit vielen Smartphones möglich. Dieses Speicherformat, auch „digitales Negativ“ genannt, stößt daher auf immer mehr Interesse und ist längst nicht mehr nur ein Thema für Profis und ambitionierte Hobbyfotografen. Es lohnt, sich genauer damit zu beschäftigen.

Was ist RAW?

Im Gegensatz zu Jpeg-Dateien werden Raw Fotos nicht komprimiert, sondern mit allen Informationen, die der Kamerasensor zu bieten hat weitgehend „roh“ belassen abgespeichert. Daraus resultiert, dass die verlustfreien RAW-Dateien mehr Platz auf der Speicherkarte (und natürlich später auf der Festplatte) einnehmen. Allerdings erkauft man sich so einen wesentlich größeren Spielraum in der Nachbearbeitung der Fotografien.

Tipp: Die Fotos für die Bildvorschau am Display der Kamera werden zusätzlich als kleines Jpeg gespeichert. Stellen Sie alle automatischen Bildbearbeitungsfunktionen der Kamera aus. Damit haben Sie die Möglichkeit Ihr Foto auf dem Display und im Histogramm besser beurteilen zu können. Es sieht das meistens etwas „flau“ aus, aber das ist zunächst so gewollt und okay.

Die Nachteile von RAW

Die unkomprimierte Speicherung fordert sehr viel Platz. Bei einer Kamera mit 24 Mp Sensor entsteht im RAW-Format so eine Dateigröße von etwa 32 MB. Im Vergleich dazu hat eine Datei, die in der Kamera im Jpeg-Format in der höchsten Qualität komprimiert wurde, nur noch eine Größe von etwa 13 MB (Die Größe der Dateien richtet sich nach der Komplexität der Fotos). Damit werden die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des Computers und natürlich auch an die Größe des Massenspeichers deutlich höher. Dazu kommt, dass eine Bearbeitung zwingend erforderlich ist. Man braucht einen RAW-Konverter, muss Know-how entwickeln und Zeit für die Nachbearbeitung einplanen. Wenn man sicherstellen will, dass die Fotos auf allen gängigen Geräten gesehen werden können, muss zum Schluss des Entwicklungsvorgangs auch eine Umwandlung (Kopie) in das Jpeg-Format vorgenommen werden. Grade im Hinblick auf Qualitativ hochwertige Bilder für die eigenen vier Wände lohnt sich jedoch der erhöhte Aufwand.

RAW 1/320 Sec. f 8.0 Einstellung neutral, Paul-Löbe Haus Berlin.

RAW 1/320 Sec. f 8.0 Einstellung neutral, Paul-Löbe Haus Berlin.

Nach der Bearbeitung –  Ausgleich der Helligkeitsunterschiede, Farbe, Kontrast und Schärfenachbearbeitung in einem Raw Konverter.

Nach der Bearbeitung – Ausgleich der Helligkeitsunterschiede, Farbe, Kontrast und Schärfenachbearbeitung in einem Raw Konverter .

Die Vorteile von RAW überwiegen

Nur Einstellungen, die Sie an Ihrer Kamera für die Belichtungszeit (auch Verschlusszeit genannt), Blende und ISO-Wert vorgenommen haben, haben einen echten Einfluss auf ein Foto im RAW-Format. Alle anderen Einstellungs-Optionen wie Kontrast, Weißabgleich, Farbsättigung, digitale Schärfung usw. dienen der Kamera nur zur „Entwicklung“ eines JPEGs aus ihren Aufnahmen. Diese Einstellungen werden erst später am Computer vorgenommen. Damit hat man die größtmöglichen Gestaltungs- und Nachbearbeitungsoptionen am digitalen Bild. Mit RAW hat der/die Fotografierende eine brauchbare Spanne, um das Foto nach eigenem Geschmack und eigener Absicht zu „entwickeln“. Besonders in hellen und dunklen Bildbereichen enthalten RAW-Dateien noch sehr viel feinere Abstufungen der Helligkeitswerte als Jpeg- Bilder. Jpeg´s haben pro Farbkanal 256 Helligkeitsabstufungen, bei RAW-Dateien sind es bis 16.384 – ein echter Vorteil!

Berabeitungsspielraum RAW zu JPEG Prinzipielle Darstellung

In der Praxis bedeutet das oft, dass feine Wolkenstrukturen am hellen Himmel und filigrane Zeichnungen im dunklen Schatten in RAW-Dateien noch vollständig vorhanden sind, während sie im JPEG- Format nicht mehr dargestellt werden – weißer Himmel, schwarzer Schatten. Während man mit Jpeg komprimierten Fotos schnell ans Ende der Bearbeitungsmöglichkeiten gerät, kann man mit RAW-Dateien auch schon mal zunächst hoffnungslos unter- oder überbelichtet scheinende Fotos retten.

Ein Seitenblick auf das Thema Objektivität

Nicht wenige Menschen meinen, es gebe das objektive Foto und dazu würde das Jpeg-Format völlig ausreichen. Alle Fotos, an denen „herumgeschraubt“ wurde, seinen sowieso nicht echt, sondern manipuliert. Das da viel zu manipulieren ist, kennt man ja allein schon aus der Werbefotografie. Andererseits kann dieses „herumschrauben“ auch einem anderen Zweck dienen.

Schon zu analogen Zeiten haben viele Fotografen bei der Bearbeitung ihrer Fotos Versuche unternommen das zu zeigen, was sie sahen. Vielleicht wollten sie auch deutlich machen, was sie beim Blick auf den Sonnenaufgang oder beim Spaziergang durch den nebeldüsteren Wald empfunden haben. Sie haben die damals vorhandenen technischen Möglichkeiten genutzt, um ihren Absichten Ausdruck zu verleihen.

Tipp: Die Hersteller von digitalen Spiegelreflexkameras bieten häufig ein kostenloses Programm zum Konvertieren von Rohdateien an. Diese Programme können aber meist nur das Format des jeweiligen Herstellers lesen und bieten oft nur rudimentäre Bearbeitungsfunktionen. Es gibt inzwischen eine Reihe kommerzieller Anbieter mit Konvertern mit einem großen Funktionsumfang, wie zum Beispiel Adobe Lightroom, ACDsee Pro oder DxO. Wer Freeware benutzen will ist mit RAW Therapee gut beraten. Meine Empfehlung geht an Adobe Lightroom, denn es bietet nicht nur einen Konverter mit umfassenden Funktionen, sondern auch ein Bildverwaltungs- und Organisationsprogramm.

Heute ist das wesentlich einfacher. Computer- und Kameratechnik machen eine individuelle Entwicklung überall möglich. Aber auch hier gilt, dass es „die“ Objektivität nicht gibt. Das ist völlig unabhängig vom Aufnahmeformat. Kameras sehen ja nicht. Sie sehen schon gar nicht objektiv. Der Sensor in den Geräten empfängt Farb- und Lichtsignale und setzt sie in elektrische Impulse um. Diese Impulse werden mit Hilfe von Algorithmen berechnet und wieder in darstellbare Fotos mit bestimmten Helligkeits- Farb- Kontrastwerten etc. umgerechnet. Die für die Jpeg-Berechnung notwendigen Parameter geben die Techniker der Kamerahersteller vor.

Orchideenblüte unbearbeitet

Das Ergebnis ist dann ein Bild, welches den Vorgaben dieser Ingenieure und in der Regel den Mainstream-Vorstellungen von einem schönen Foto entspricht. Natürlich ist das oft auch ganz okay, aber die Ingenieure waren eben nicht dabei, als das Foto entstand und sie wissen nichts von der Absicht des Fotografen mit genau diesem Bild. Bei der RAW-Fotografie werden die Parameter für die Entwicklung weitgehend vom Fotografen bestimmt. Das macht den Unterschied.

Fazit

Das RAW-Format, richtig angewendet, macht Arbeit und erfordert einen leistungsstärkeren Computer. Bei vielen Fotos wird auch deutlich mehr Festplattenspeicher benötigt. Es lässt aber auch viel Freiheit für individuelle Gestaltung und bietet deutlich mehr Bildinformationen für Fotos, wie der oder die Fotografierende sie sich vorstellt. Gerade Fotografen, die ihren Bildern gern einen künstlerischen Ausdruck verleihen und eine sehr hohe Qualität wollen, sind mit dem Standard Jpeg-Format schnell am Ende ihrer Möglichkeiten. Raw lohnt sich oft nicht für den Fotoalltag. Für Dokumentationen, ganz viele Urlaubs- und Erinnerungsfotos, etc. ist der Aufwand der Nachbearbeitung einfach zu groß. Wer jedoch Spaß am Entwickeln hat und gern am Computer Fotos gestaltet, für die oder denjenigen ist RAW genau das Richtige.

RAW 1/500 Sec. bei f 7,1 - Sonnenaufgang Teneriffa nicht entwickelt.

RAW 1/500 Sec. bei f 7,1 – Sonnenaufgang Teneriffa nicht entwickelt.

Mit Lightroom entwickelt, die Lichtstimmung wiedergegeben.

Mit Lightroom entwickelt, die Lichtstimmung wiedergegeben.

Viele Kameras bieten inzwischen eine Art Kompromiss. Sie lassen das gleichzeitige Speichern von RAW-Dateien und Jpeg zu. Das braucht zwar wieder mehr Speicherplatz, hat aber den praktischen Vorteil, dass sofort vorzeigbare Bilder zur Verfügung stehen.