Farbtemperatur & Weißabgleich

Farbtemperatur & Weißabgleich

In dem Artikel über Afrika haben wir uns schon einmal kurz mit dem Thema der Farbtemperatur und dem damit verbundenen Weißabgleich beschäftigt. Nun möchten wir diese beiden Themen noch einmal aufgreifen und Ihnen erläutern, was sich dahinter verbirgt und wie Sie dies gezielt einsetzen können. Um das Thema begreifbarer zu machen, ist zunächst ein kleiner Ausflug in die Biologie und die Physik notwendig.

Für die Bildgestaltung und die Wirkung eines Bildes spielt die Farbtemperatur eine wichtige Rolle. Im menschlichen Auge sind spezielle Sinneszellen, die sogenannten Zapfen, für die Wahrnehmung der Farben zuständig. Sie reagieren hierbei auf die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichtes. Die Hauptempfindlichkeiten dieser Zapfen decken jeweils die Farben Blau, Grün und Rot ab. Diese Wellenlängen sprechen hierbei in unterschiedlicher Ausprägung die Zapfen an. Das Gehirn berechnet daraus dann die uns bekannten Farben.

Das Farbspektrum

Das für das menschliche Auge wahrnehmbare Licht- bzw. Farbspektrum liegt in einer Wellenlänge zwischen 380-780 Nanometern (nm). Alles was darunter oder darüber liegt, können wir Menschen nicht sehen – wie etwa Ultraviolett, Infrarotstrahlung oder auch Radiowellen.

Farbspektrum Wellenlänge_1920

Vielleicht kennen Sie aus ihrem Physikunterricht noch den Versuch, bei dem das zuvor ‚unsichtbare‘ Licht mittels eines Prisma gebrochen und so die einzelnen Wellenlängen – also die Farben – sichtbar wurden.

Aufnahmen mit einer Digitalkamera haben den Vorteil, dass ein möglichst großes Farbspektrum aufgezeichnet wird. Gerade bei wenig Licht kommt das menschliche Auge an seine Grenzen und das was wir sehen wirkt zunehmend grauer, da die Zapfen im Auge zwar farb- aber nicht sonderlich helligkeitsempfindlich sind.

Die Farbtemperatur

Ein weiteres wichtiges Maß bei der Bildgestaltung ist die Farbtemperatur. Hierbei handelt es sich vereinfacht gesagt, um den Farbeindruck einer Lichtquelle. Dieser Farbeindruck, also die Anmutung des Lichts, wird in Kelvin gemessen. Vielen ist dieser Begriff aus dem Bereich der Glüh- und LED-Lampen bekannt. Gerade in der Anfangszeit war es schwierig LED-Lampen zu finden, die nicht zu kalt wirkten und eher den bekannten Glühlampen entsprachen. Wie Sie unten auf der folgenden Skala sehen können, verläuft der Bereich von Warmweiß (<3300K) über Neutralweiß (3300-5000K) bis in den Bereich Tageslichtweiß (>5000K).

Farbtemeratur_1920

Für den Hobbyfotografen ist die Farbtemperatur ein wichtiges Gestaltungselement, da man mit bestimmten Farben häufig entsprechende Stimmungen assoziiert. Eines der bekanntesten Beispiele ist hier sicherlich der Sonnenauf- oder Untergang, wie wir ihn in unserem Artikel über Afrika bereits kurz erwähnt haben.

Tipp: Sollte Ihnen das Motiv, aber die Farbtemperatur nicht gefallen, versuchen Sie doch einmal einige Bilder in schwarz-weiß umzuwandeln. Wie Sie dies am besten machen, erfahren Sie hier. Gerne können Sie sich auch ein paar Inspirationen in einer unserer Bildergalerien holen.

Weißabgleich

Der Weißabgleich dient dazu, die richtige Farbtemperatur wiederzugeben. Die Kamera versucht immer die Umgebung so aufzuzeichnen, wie sie von dem Sensor gemessen wird. Hierbei wird das Umgebungslicht und die weißen bzw. grauen Elemente des Bildausschnitts berechnet und entsprechend von Referenzwerten abgebildet. Nun kann es jedoch vorkommen, dass zum Beispiel durch eine Leuchtstofflampe in der Umgebung mehr neutralweißes Licht vorhanden ist. Wird nun mit dem automatischen Weißabgleich gearbeitet, erscheint das Bild entsprechen ‚kalt‘. Es kann aber auch vorkommen, dass gar nicht genügend weiße bzw. graue Bildelemente vorhanden sind, um eine adäquate Messung durchzuführen. So fehlen der Kamera dann Referenzwerte und es kann zu Verzerrungen kommen.

Daher haben moderne Kameras verschiedene Weißabgleichsvorlagen, wie Sie sie unten sehen können.

Vorlage Weißabgleich

Diese Aufnahmen dienen hier dem direkten Vergleich der unterschiedlichen Weißabgleiche der Kamera und sollen verdeutlich, was der jeweilige Modus der Kamera macht. Wenn Sie den passenden Modus in der entsprechenden Situation einsetzen, wird das Bild natürlicher wirken, denn Ihre Kamera wird die ‚fehlerhaften‘ Farben kompensieren.

So haben Sie neben dem vollautomatischen Weißabgleich Möglichkeiten zur Hand, eine Farbanpassung durchzuführen und so auch den Eindruck Ihrer Aufnahme zu bestimmen und gegebenenfalls zu korrigieren. Das menschliche Auge führt während des Sehens stetig einen Weißabgleich durch. Daher wirkt ein weißes Blatt für das menschliche Auge bei unterschiedlichem Umgebungslicht fast immer gleich weiß. Man nennt diese Eigenschaft des Auges Chromatische Adaption.

Im Menüpunkt der Kamera wird der automatische Weißabgleich häufig als AWB (automatic white balance ) oder WB (white balance) bezeichnet.

Auswahlmenü Nikon D80

Hier können Sie auch alle anderen Vorlagen auswählen oder in den manuellen Modus wechseln.

Tipp: Wenn Sie ihre Fotos zusätzlich im Rohdatenformat (z.B. RAW) aufnehmen, haben Sie auch im Nachhinein die Möglichkeit mittels einer Bildbearbeitungssoftware einen Weißabgleich durchzuführen.

Aufbauend auf diesen kleinen Exkurs zum Thema Licht und Farbe, greifen wir in einem unserer nächsten Beiträge zu diesem Thema die Möglichkeiten der Belichtungskorrektur noch einmal auf. Denn auch dabei muss man manchmal von den Standardeinstellungen der Kamera abweichen, um bessere Aufnahmen zu erzeugen.